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2. Wilhelmsburger Demenz-Woche Rückblick

Spiel, Sport, Spaß! So schützen wir uns vor Demenz

Wilhelmsburg, Februar 2017:„Ist Demenz-Vorsorge möglich?“ Mit dieser Frage eröffnete Chefarzt Dr. Georg Schiffner seinen Vortrag im Rahmen der Demenz-Woche, die Anfang Februar im Krankenhaus Groß-Sand stattfand. „Ja“, antwortete das Publikum entschieden. Doch wie schützt man sich am besten vor dem Vergessen? Das war nur eine der vielen Fragen, die während der Aktionswoche diskutiert wurden.
„Die gute Nachricht zuerst: Die Wahrscheinlichkeit, mit 80 Jahren an Demenz zu erkranken, ist heute geringer als noch vor zehn Jahren. Zwar steigt der Anteil von Menschen mit Demenz in der Bevölkerung, was aber daran liegt, dass es insgesamt immer mehr ältere Menschen gibt“, fuhr Dr. Schiffner fort. Puzzeln, Rätseln, ausreichend Trinken und Bewegen, Grunderkrankungen behandeln lassen – die Besucher der Demenz-Woche hatten viele Tipps, die dabei helfen, geistig fit zu bleiben. „Alles richtig, aber vergessen Sie bei all dem eines nie: den Kontakt zu anderen Menschen“, betonte der Chefarzt und erzählte von regelmäßigen Tanzstunden mit seiner Frau – nicht nur der Laune, sondern seiner Überzeugung nach auch der Gesundheit förderlich.

Soziale Kontakte sind aber nicht nur wichtig, um sich vor Demenz zu schützen, sondern auch für Erkrankte von enormer Bedeutung. Entsprechend war Kommunikation ein zentrales Thema in den Vorträgen und anschließenden Gesprächen. Wie geht man zum Beispiel damit um, wenn jemand nach der Mutter fragt, die schon lange verstorben ist? Die Person korrigieren, sie mit ihrem Fehler konfrontieren? „Bitte nicht“, so Dr. Schiffner. „Versuchen Sie vielmehr zu verstehen, wonach der Mensch sich gerade sehnt. Der Wunsch, die Mutter zu sprechen kann ein Wunsch nach Geborgenheit sein, vielleicht nach einem guten Rat. Darauf können auch Sie eingehen – ohne der erkrankten Person etwas vorzuspielen.“

„Nehmen Sie sich Zeit für sich!“ Unterstützung für pflegende Angehörige

„Nehmen Sie sich Zeit für sich!“ Unterstützung für pflegende Angehörige

Echte Profis im Umgang mit Menschen mit Demenz sind auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Demenznetz Wilhelmsburg, die Betroffene zuhause besuchen, um pflegende Angehörige zeitweise zu entlasten. Leiterin Theda Kapahnke: „Besonders beliebt sind unsere Fotos mit Wilhelmsburg-Motiven. Die Windmühle Johanna oder die Dove Elbe wecken Erinnerungen und regen zum Erzählen an. Als Zugezogene erfahre ich im Gespräch mit demenziell veränderten Menschen dann noch viel über unseren Stadtteil.

Unterstützung bei der häuslichen Pflege bietet auch Groß-Sand an – insbesondere unmittelbar nach einem Krankenhausaufenthalt. „Oft verstärken sich demenzielle Symptome in der Klinik. Manchmal treten sie in ungewohnter Umgebung auch zum ersten Mal auf. Viele Angehörige sind in dieser Situation ratlos, wissen nicht, ob oder wie es zuhause weitergehen kann. Hier greift unser für Sie kostenloses Angebot: Wir beraten Sie schon im Krankenhaus und begleiten Sie dann bis zu sechs Wochen nach Entlassung bei der Pflege zuhause", erklärte Pflegeberaterin Simone Wälter.

Orientierung schaffen: Mit Farben und Kontrasten

Hilfreiche Tipps für die eigenen vier Wände vermittelte auch die von der Diakonie Stiftung MitMenschlichkeit ausgestellte Demenz-Musterwohnung. Eines der vielen simplen, aber wirkungsvollen Beispiele: klare Kontraste – etwa durch mehrfarbiges Geschirr auf dem Esstisch. „Die Milch wird nun einmal in der blauen Tasse eher als solche wahrgenommen, als in der weißen", verdeutlichte Wohnberaterin Miriam Schnee. „Im Bad kann zudem eine farbige Toilettenbrille hilfreich sein."

Tatsächlich: Nicht nur der farbige Toilettensitz, auch viele andere Merkmale der Demenz-Musterwohnung findet man in Groß-Sand im geschützten Bereich für Demenz-Patienten wieder. „Wir haben die Station in der Demenz-Woche vor einem Jahr offiziell eröffnet und sind mit den bisherigen Erfahrungen sehr zufrieden", berichtet Oberarzt Frank Stephan-Sump, neben Dr. Schiffner erster Ansprechpartner im Demenz-Bereich. „Kleine Mittel zeigen hier große Wirkung – so auch optische Barrieren wie eine schwarze Bodenmarkierung. Diese wird als Hindernis wahrgenommen und vermeidet, dass Menschen mit sogenannter Hinlauftendenz die Station verlassen."

Demenz mit Menschlichkeit behandeln

Doch neben den architektonischen Maßnahmen setzt man auch hier vor allem auf zwischenmenschliche Kontakte. Gegessen wird – sofern möglich – am großen Tisch im Gemeinschaftswohnzimmer, das nach Machart Eiche-Rustikal an vergangene, aber im Gedächtnis gebliebene Zeiten erinnert. Oberarzt Stephan-Sump: „Der Kontakt zu anderen Menschen tut unseren Patienten spürbar gut. Viele, die nicht allein essen oder trinken mögen, fangen in Gesellschaft plötzlich wieder damit an." Faszinierend zu beobachten sei auch der lang anhaltende Effekt der Musiktherapie. „Ebenso bewirken unsere ehrenamtlichen Demenzbegleiter mit ihren Besuchen eine Menge", erkennt der Mediziner neidlos an. Das bestätigt Chefarzt Schiffner: „Auch als Arzt sage ich es immer wieder: Erwarten Sie bei Demenz weniger von Tabletten – erwarten Sie viel mehr von guten zwischenmenschlichen Begegnungen."

Informationen über das Krankenhaus

Das Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand ist ein Haus der Grund- und Regelversorgung mit 24-Std. Notaufnahme, 208 Betten und 20 Plätzen in der geriatrischen Tagesklinik. Zum Leistungsspektrum zählen die internistische und chirurgische Notfallversorgung für Wilhelmsburg und den Hamburger Hafen, das Zentrum für Geriatrie und Frührehabilitation, ein zertifiziertes Hernienzentrum, Orthopädie mit Endoprothetik sowie eine Seemannsambulanz. Die Klinik ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg und verfügt über eine angeschlossene Gesundheits- und Krankenpflegeschule. Träger ist die Katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius.

Insel der Menschlichkeit