// Hernienmission 2017: Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand  
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Hernienmission 2017

„Operieren, operieren, operieren"

Hamburg, Dezember 2017: Dr. Reinpold zurück aus Paraguay. Schon frühmorgens steht er im OP, nachmittags berät er Patienten in der Sprechstunde, bis spätabends widmet er sich der Dokumentation oder wissenschaftlicher Arbeit: Lange Tage ist Dr. Wolfgang Reinpold, Chefarzt der Chirurgie im Krankenhaus Groß-Sand, gewohnt. Beste Voraussetzungen für seine jährlichen Hernienmissionen: Im November verbrachte er bis zu 12 Stunden am Tag in paraguayischen OPs, um bedürftige Patienten mit Leisten- und Bauchwandbrüchen zu versorgen.

Fragt man Dr. Reinpold nach dem typischen Tagesablauf auf seinen Hernienmissionen, muss er nicht lange überlegen: „Operieren, operieren, operieren!" Die letzte Reise fand im November statt. Ziel waren zwei Kliniken im südamerikanischen Paraguay. „Ähnlich wie in Groß-Sand begann der erste Eingriff meist gegen 7.45 Uhr. Die letzte Naht haben wir jedoch oft erst abends um acht geschlossen", berichtet Dr. Reinpold. Dann der Austausch mit dem einheimischen Team und eine kurze Visite – Zeit, das Land kennenzulernen, blieb dem Lateinamerika-Fan während der acht Tage nicht. „Der Ansturm der Patienten war groß und viele OPs aufgrund komplizierter Brüche sehr zeitaufwändig. Wir mussten die kurze Zeit also voll ausschöpfen", so Dr. Reinpold, der gemeinsam mit einem chirurgischen Kollegen und zwei seiner Söhne nach Paraguay gereist war. 

Leisten- und Bauchwandbrüche sind auf der ganzen Welt weit verbreitet. Jeder vierte Mann ist im Laufe seines Lebens betroffen. Heilung ist nur durch eine OP möglich, die im spezialisierten Wilhelmsburger Hernienzentrum in großer Zahl durchgeführt wird. Häufig ist nur ein kurzer Eingriff mit kleinsten Hautschnitten erforderlich. In der Regel wird ein Kunststoffnetz eingesetzt, um den Bruch dauerhaft zu verschließen. „In Paraguay aber haben nur wenige Chirurgen Erfahrung mit modernen Netzeinlageverfahren", weiß Dr. Reinpold, der schon mehrmals vor Ort war. „Die Netze sind zudem sehr teuer und müssen von den Patienten selbst bezahlt werden – gerade für den ärmeren Teil der Bevölkerung unmöglich." Die Konsequenz: Viele Brüche bleiben unbehandelt und nehmen enorme Ausmaße an.

Reinpold im Radio: Patienten kamen von weit her

Reinpold im Radio: Patienten kamen von weit her

Entsprechend groß ist Jahr für Jahr die Nachfrage, wenn sich die Hernien-Experten im Namen der internationalen Organisation „Hernia Help" in den ärmeren Ländern der Welt ankündigen. Insgesamt wurden dieses Mal rund 100 Leisten- und Bauchwandbrüche von Reinpold und Kollegen – darunter zwei paraguayische Chirurgen, die im Rahmen einer vergangenen Hernienmission ausgebildet worden waren – operiert. 2017 eine Besonderheit: In der ländlichen Region um Santa Rosa wurden Betroffene unter anderem über den lokalen Radiosender aufgerufen, sich ins Krankenhaus zu begeben, um ihre Brüche professionell und kostenlos versorgen zu lassen. Und die Nachricht kam an – teils auch weit entfernt. So hatte ein Mann einen Weg von mehr als 150 Kilometer auf sich genommen, was in Paraguay einer Fahrtzeit von rund vier Stunden entspricht. Der Patient hatte einen doppelseitigen Leistenbruch – und das schon viele Jahre. Er hatte starke Schmerzen, die ihn vor allem bei der Arbeit auf dem Feld 

beeinträchtigten. „Kein Einzelfall", weiß Dr. Reinpold, der bereits auf Erfahrungen von elf Hernienmissionen blickt. „Ich habe es nicht selten erlebt, dass Existenzen ganzer Familien auf dem Spiel standen, weil der Vater – oftmals der Alleinverdiener – aufgrund einer Hernie arbeitsunfähig geworden war."

OP unter erschwerten Bedingungen

Als Erfinder des derzeit erfolgreichsten Hernien-OP-Verfahrens „MILOS" steht der Wilhelmsburger Chefarzt deutschlandweit wie international für Hernienchirurgie auf höchstem Niveau. Während ihm hier modernste Technik, eigens entwickelte Instrumente und ein erfahrenes Experten-Team zur Verfügung stehen, operiert er auf seinen Hernienmissionen unter erschwerten Bedingungen. „Zwei OP-Tische in einem Saal, für uns fragwürdige hygienische Verhältnisse und Instrumente, die die besten Zeiten hinter sich haben – man muss schon Kompromisse machen." 

Neben der Soforthilfe für bedürftige Patienten ist die Ausbildung der Kollegen vor Ort ein wichtiges Ziel der Hernienmissionen. „Hernien gehören in die Hände von Spezialisten", betont Dr. Reinpold, der sich als Präsident der Deutschen Herniengesellschaft in besonderem Maße der Fort- und Weiterbildung von Chirurgen widmet. Bei jeder Operation stand daher mindestens ein einheimischer Mediziner mit am OP-Tisch. Doch könnte man nicht noch viel mehr Menschen helfen, wenn man während des Eingriffs nicht jeden einzelnen Schritt erklären müsste? „Vielleicht", sagt Dr. Reinpold. „Aber es geht uns um die langfristige Verbesserung der Versorgung vor Ort. Das geht nur durch die Ausbildung von Medizinern."

Herzenssache Hernienmission

Kaum aus Paraguay zurück und den verpassten Schlaf längst nicht nachgeholt, freut sich Dr. Reinpold schon jetzt auf die nächste Reise. Motivierend und klar die größte Bestätigung für lange Tage, kurze Nächte und viele Stunden Vorbereitungs- und Reisezeit seien die Rückmeldungen der Patienten. „Das ist Gottes Dank für all unsere harte Arbeit", kommentierte in diesem Jahr eine Frau die gelungene Operation ihres Ehemannes. „Keine Frage: Eine Hernienmission ist anstrengend, aber man bekommt eben auch unheimlich viel zurück", so Dr. Reinpold zufrieden.

Informationen über das Krankenhaus

Das Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand ist ein Haus der Grund- und Regelversorgung mit 24-Std. Notaufnahme, 209 Betten und 20 Plätzen in der geriatrischen Tagesklinik. Zum Leistungsspektrum zählen die internistische und chirurgische Notfallversorgung für Wilhelmsburg und den Hamburger Hafen, das Zentrum für Geriatrie und Frührehabilitation, ein zertifiziertes Hernienzentrum, Orthopädie mit Endoprothetik sowie eine Seemannsambulanz. Die Klinik ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg und verfügt über eine angeschlossene Gesundheits- und Krankenpflegeschule. Träger ist die Katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius.

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